Prokrastination: Die 6 Todsünden für jeden Aufschieber

Banane Fuß

Heute ist schlecht... Aber morgen mach ich's. Ganz bestimmt!

Jeder hat schon einmal Dinge aufgeschoben. Aber vielleicht stellt man eines Tages fest, dass wieder ein Jahr um ist. Und dabei hatte man doch so viel vor!

Im Internet hast du bestimmt schon viel über Prokrastination gelesen. Was man alles dagegen tun kann. Heute möchte ich jedoch mal den Spieß umdrehen und aufzeigen, was das Aufschieben begünstigt - ganz nach dem Motto:

Gefahr erkannt - Gefahr gebannt
OK, hier sind sie - die sechs Todsünden des Aufschiebers:

1.) Am Tiefpunkt eine Pause machen

Das ist die Mutter aller Fehler, die ein Aufschieber machen kann: Man ist an einer Arbeit, die langweilig ist. Oder schwierig. Oder beides. Manchmal taucht ein Problem auf, das nicht so einfach zu lösen ist.

Na, da mach ich einfach mal Pause. Schenke mir ein neues Glas Cola [Kaffee, Saft, Limo, egal] ein. Schaue nach, was es neues gibt [Facebook, WhatsApp, Nachrichten, Börse, usw.].

Was habe ich also gemacht: Ich habe die Arbeit aufgegeben und mir eine Belohnung gegönnt.

An Belohnungen selbst ist nichts verkehrt. Aber mein Gehirn ist ja nicht blöde. Schnell merkt es: Kommt es bei gewissen Tätigkeiten zu Unlustgefühlen, dann bekomme ich ruck-zuck eine Belohnung, indem ich einfach etwas Unwichtiges mache.

Mit der Zeit übt man auf diese Art und Weise eine Verhaltensweise ein, die einem langfristig mehr schadet als nützt. Weil das Gehirn weiß, wie man auf Knopfdruck eine Belohnung erhält.

Abhilfe: Erst die Arbeit - dann das Vergnügen.

Klingt vielleicht altmodisch, führt aber unterm Strich zu einem deutlich glücklicheren Leben. Weil die Pause jetzt zu einer Belohnung für die Arbeit wird.

Mehr dazu im Artikel Prokrastination: Wie sich Belohnungen auswirken.

2.) Kein oder nur ein unklares Ziel haben

Stell dir ein Schiff auf einem Ozean vor. Wo wird es wohl ankommen?

Nun, im Regelfall gibt es einen Kapitän, der genau weiß,

  • Wo sich das Schiff befindet.
  • Wo er hin möchte.
Wer nicht weiß, wo er steht und auch nicht weiß, wo er hin will - wo wird er dann ankommen? Nirgends. Mal plätschert er nach links, dann wieder nach rechts, so wie es die Strömung und der Wind vorgibt.

Erst dann, wenn man ein Ziel hat, dann kann auch klar werden, wie man dieses erreicht.

Oft wird dann der Fehler gemacht, dass das Ziel nur unklar definiert wird (in der Fachsprache wird dies wischi-waschi genannt). Also in etwa so:

  • Ich möchte mich selbstständig machen.
  • Ich möchte abnehmen.
  • Ich möchte gesünder werden.
  • Ich möchte mehr lernen.
  • Ich möchte erfolgreicher werden.
Tja, was soll ich sagen? Unklarer geht's fast nicht.

Was ist das Problem?

  • Ich gehe zur Stadt, melde ein Gewerbe an, zahle ein paar Euro - zack, ich bin selbstständig.
  • Das Telefon klingelt, ich nehme ab - zack, abgenommen. OK, war nur ein Witz.
  • Ich esse einmal pro Monat einen Apfel - zack, gesünder geworden.
  • ... und so weiter
Unklare Ziele besagen eigentlich gar nicht, wo man hin will. Stell dir einen Frachter vor, der in Hamburg ablegt und das Ziel "Amerika" hat... In der Realität ist aber der spezielle Hafen das Ziel. Und nicht einfach "Richtung Amerika".

Ein Ziel sollte also immer klar definiert sein. Arbeite aus:

  • Was soll genau erreicht werden?
  • Welche Teilschritte sind erforderlich?
  • Bis wann soll was erledigt sein?
Und damit geht's auch schon nahtlos weiter zum nächsten Fehler.

3.) Keine Ahnung von der Planung

OK, man hat nun klare Ziele definiert. Jetzt geht's darum, wie man diese erreicht. Dazu ist Planung notwendig. Nur, wenn man weiß, was man tun muss und was man dazu braucht, kann man dies auch in die Tat umsetzen.

Je klarer die einzelnen Schritte sind, umso leichter ist dann die Umsetzung. Es ist allerdings nicht notwenig, jeden noch so kleinen Tippel-Schritt im Voraus zu planen. Ansonsten verheddert man sich nur in diesen kleinen Details - uns später kommt es doch anders als man denkt.

Wie also geht man vor?

Zuerst zerlegt man das große Ziel in kleine Etappen. Damit hat man nun einige Zwischen-Ziele erstellt. Diese sind gut überschaubar und man kann relativ leicht feststellen, was für diese Ziele notwendig ist. Mit "notwendig" meine ich übrigens nicht nur die Zeit, die man dafür benötigt, sondern auch etwaiges Know-How (das man sich vielleicht aneignen muss) oder irgendwelche Materialien, die man rechtzeitig besorgen muss.

Auf diese Art bekommt man einen groben Überblick und kann auch die benötigte Zeit abschätzen und seine Prioritäten entsprechend sortieren.

4.) Den Fokus allein auf das Ziel legen

Ziele sind wichtig. Gut, wenn man sie festgelegt hat. Auch der Weg, der zum Ziel führt, ist wichtig. Gut, wenn man ihn ausgearbeitet hat. Noch besser: wenn man Hunger hat auf den ersten Schritt. Denn: jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

Hat man den ersten Schritt getan, folgen die weiteren fast ganz automatisch. Schaut man nur(!) auf das Endziel, dann wird einem immer vor Augen geführt, wie weit man noch davon entfernt ist. Schaut man auf den nächsten Schritt, dann ist es ganz einfach, diesen auch zu tun - was einen automatisch näher zum Ziel bringt.

5.) Sich ablenken lassen

Das Problem des Aufschiebens ist nicht ein Phänomen, das erst in den letzten Jahren aufgetaucht ist. Allerdings stehen wir heutzutage vor einem weiteren Problem, das es noch viel schwieriger macht, eine Arbeit einfach mal durchzuziehen.

Ich spreche von den Ablenkungen, mit denen man heute zu kämpfen hat.

Zu kämpfen hat? Nur wenn man sich auf den Kampf einlässt. Und das ist das Problem.

Forscher an den Universitäten in Toronto und Ottawa haben nämlich untersucht, wie sich Ablenkungen ("Versuchungen") auf Ziele auswirken. Es geht also um Dinge, die einen von einem Ziel abbringen möchte.

Die Forscher haben interessanterweise herausgefunden, dass es praktisch egal ist, ob man einer Versuchung nachgibt oder ihr widersteht. In beiden Fällen wirkt es sich negativ auf die Zielerreichung aus. Entscheidend ist, dass die Versuchung bereits die Kraft raubt, die für die Zielerreichung notwendig wäre.

Mit anderen Worten: Wenn das Smartphone aus ist, kann es auch nicht bimmeln. Und wenn es nicht bimmelt, ist auch keine Versuchung da, dran zu gehen. Und man hat auch nicht so das Gefühl, man würde etwas verpassen.

Oder: Hat man keine Süßigkeiten im Haus, dann fällt das Abnehmen leichter.

6.) Das Ziel verheimlichen

Achtung: Dieser Punkt kommt zunächst ganz unscheinbar daher, aber er hat es in sich!

Man hat große Ziele - und keiner weiß davon. Nun, man braucht ja nicht jedem alles auf die Nase binden. Sagt man aber niemandem, was man vorhat, dann hat das Gründe - und diese sind oft für das Aufschieben verantwortlich. So zum Beispiel:

  • Man hat selbst gar keine Lust, etwas für das Ziel zu tun. Man nennt so etwas "Luftschlösser bauen".
  • Man traut sich nicht zu, das Ziel zu erreichen. Weiß niemand davon, kann man sich auch nicht blamieren.
  • Man verfolgt utopische Ziele - andere könnten einen für übergeschnappt halten.
  • Man hat ein niedriges Selbstwertgefühl - was werden andere denken, wenn ich versage?
Was der wirkliche Grund ist, erfährt man nur, wenn man ausgiebig über sich selbst nachdenkt und zu sich ehrlich ist. Hat man den Grund (oder die Gründe), dann kann man auch einen Plan ausarbeiten, das Hindernis zu überwinden.

Das alleine löst schon Blockaden und hilft, das Projekt anzupacken.

Wenn man dann noch jemand hat, dem man quasi Rechenschaft ablegt, der auch mal nachfragt, wie weit man mit dem Ziel ist, dann hilft das auch, den Weg zum Ziel zu gehen, wenn dieser auch mal etwas steinig ist.

Wenn dein Chef dir sagt, dass du das und das bis dann und dann zu erledigen hast, dann schaffst du es meistens auch, die Arbeit auch fristgerecht zu erledigen. Und so ist es auch, wenn du deine Ziele nicht nur heimlich verfolgst, sondern jemand hast, dem du Rechenschaft ablegst.

Fazit

Es gibt natürlich noch mehr Dinge, die einen an der Umsetzung eigener Projekte hindern. Oben genannte Punkte sind jedoch aus meiner Sicht die wichtigsten.

Wenn du ein spezifisches Projekt hast, dann kannst du mit der Aufschieberitis-Formel ausrechnen, wie wahrscheinlich es ist, ob du dein Projekt in die Tat umsetzt.

Was ist deine Meinung? Hinterlasse einfach einen Kommentar. Vielen Dank!

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